52,60%vol. | 12 years old | 2008 - 2021
Refill Oloroso
Das ist eine der bis dato ältesten Abfüllungen von Kilchoman. Für diese Club-Abfüllung wurden drei fast 13 Jahre alte Refill-Oloroso-Fässer miteinander vermählt. Das sollte schöne Sherry-Aromen geben, die ohne ‚Bomben-Gefahr‘ dem Kilchoman-Charakter genug Platz lassen. Nach vielen tollen, jungen Whiskys der Farm Distillery auf den Rhinns of Islay freue ich mich auf den ersten für die klassische Dauer von 12 Jahren gereiften Kilchoman.

Maltings, Kilchoman Distillery | © Klaus Bölling, www.boelling.de
Nosing
Auch nach mehr als 12 Jahren ist der Rauch kräftig präsent. Es ist ein mineralisch aschiger Rauch, entstanden aus gut glühendem Torf. Hier sitzt man am Kamin, in dem die trockenen Torfsoden gute Wärme abgeben und nicht nur qualmen und ohne Hitze stinken. Und hier hat niemand den Gummi-Stiefel ins Feuer geworfen. Aus dem Tweed-Jackett dünstet noch etwas Feuchtigkeit vom windigen Gang am Strand (ok, das Jackett hätte auch mal gereinigt werden müssen) und im Glas schwappt ein fruchtig süßer Wein. Langsam wird es warm und gemütlich.
Taste
Mit 52,6%vol. hat der Whisky Kraft ohne zu brennen. Der erste Eindruck im Mund ist nicht so süß wie in der Nase. Hier entfalten sich die nussigeren, trockeneren Aromen des Oloroso-Refill-Hogsheads. Die Sherry-Aromen mit Waldhonig, ölhaltigen Kräutern des Südens blitzen kurz auf und werden durch die algigen Aromen eines nördlichen Meeres ergänzt. Das ist ein wunderbares Aromenspektrum, das nicht dick aufträgt, sondern selbstverständlich vorhanden ist. Das ist Islay-Style … Dieser Whisky hat die perfekte Balance zwischen einem kräftigen Islay-Rauch, reifer Fruchtigkeit mit schönen Gewürzen und Kräutern und einer verhaltenen Süße, die die Aromen trägt, ohne zu klebrig zu werden.
Finish
Das heiß glühende Torffeuer hat einen Eichenbalken leicht entzündet und am Gaumen klebt eine gute Zartbitterschokolade. Was mag der Abend noch bringen?
Conclusion
Ach, was für ein guter Whisky. Der trägt nicht auf, der ist kein Poser, der wurde durch keine ‚aktiven‘ Fässer geprügelt. Der durfte einfach in ordentlichen Refill-Fässern mehr als 12 Jahre reifen. Das ist Whisky-Kunst! All die Finish-Schwätzer mit ihren klebrigen Fässern sollten sich schämen und vor Neid erblassen. Hoffentlich gibt es eines Tages solche Abfüllungen im regulären Angebot dieser großartigen Distillery.